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Sowohl im Sucher als auch auf dem Display ist es nicht immer leicht abzuschätzen, ob die Fokussierung (Entfernungseinstellung) auf dem gewünschten Bilddetail liegt. Hierfür bieten digitale und analoge Kameras je nach Typ und Hersteller verschieden Hilfen an, z. B. Schnittbildindikator, Suchermattscheibe, Sucherlupe, Fokusfelder, Bildschirmlupe. Im Folgenden finden Sie Informationen über diese Hilfsmittel bei der manuellen Fokussierung.

Programmautomatik

Das sichtbare Licht besteht aus elektromagnetischer Strahlung im Bereich von 400 bis 700 Nanometer. Eine kürzere Wellenlänge (hohe Farbtemperatur) innerhalb dieses Bereichs sorgt für den Blauanteil, eine Wellenlänge zwischen 600 bis 700 Nanometer für den Rotanteil. Weißes Licht setzt sich aus verschieden Wellenlängen des sichtbaren Lichts zusammen.

In der Fotografie wird die Farbtemperatur (wird in Kelvin angegeben) als eine wesentliche Messgröße für die Eigenschaften von Licht genutzt. Die Farbtemperatur leitet sich von glühendem Eisen ab, das je nach Temperatur Licht mit einer spezifischen Charakteristik ausstrahlt. So enthält Licht mit einer niedrigen Farbtemperatur höhere Anteile von langwelligem Licht. Das (Standard-)Tageslicht hat eine Farbtemperatur von ca. 5500 Kelvin.

Nicht nur die Beleuchtungsquelle, sondern auch die Einflussgrößen wie Reflexionen von farbigen Flächen oder die Veränderung des Lichts durch das unterschiedliche Absorptions- und Brechungsverhalten verschiedener Materialien kann die Farbtemperatur beeinflussen (z. B. weißes oder farbiges Glas, Wasser, Luft oder sonstige transparente bzw. halbtransparente Stoffe). So kommt es vor, dass eine Beleuchtungsquelle wie die Sonne durch das veränderte Absorptionsverhalten der Atmosphäre für ständig wechselnde Beleuchtungsformen sorgt. Auch Reflexionen von farbigen Flächen können die Zusammensetzung des Lichts verändern, z. B. grüne Wiese, rote Wand, gelbe Zimmerdecke … Weitere Informationen zum Thema Licht finden Sie in der Kategorie „Das richtige Licht“.

Das menschliche Sehen passt sich an die unterschiedlichen Beleuchtungsquellen automatisch an. So kann der Mensch weiße Objekte unabhängig von der Art der Beleuchtung immer weiß sehen. Diese Fähigkeit wird als chromatische Adaption bezeichnet.

In der professionellen analogen Fotografie werden verschieden Filmtypen (Tageslicht- oder Kunstlichtfilme) und/oder Filter (Konversionsfilter) eingesetzt, um sich der unterschiedlichen Farbtemperatur in wechselnden Beleuchtungssituationen anzupassen. Digitale Kameras übernehmen diese Anpassung in der Regel automatisch. Der automatische Weißabgleich (Einstellung „AWB“ steht für „Automatic White Balance“) orientiert sich dabei an Bildbereichen, bei denen gleiche Anteile von Rot, Grün und Blau vorhanden sind. Diesen Flächen wird von der Kameraelektronik ein neutrales Grau zugewiesen. Der Weißabgleich soll sicherstellen, dass kein unerwünschter Farbstich (farbliche Abweichung) auftritt. Dies funktioniert in den meisten Lichtsituationen recht zuverlässig (auch abhängig von Kameramodell). Vor allem bei Mischlichtsituationen kann jedoch eine korrekte Anpassung schwierig werden, da lediglich eine Anpassung an die Farbtemperatur einer Beleuchtungsquelle vorgenommen werden kann. Befinden sich keine neutral grauen Flächen in der Aufnahme ist es für den automatischen Weißabgleich ebenfalls schwierig eine richtige Korrektur durchzuführen. Neben dem automatischen Weißabgleich bieten digitale Kameras daher die Möglichkeit einer manuellen Anpassung. Dabei stehen meist Voreinstellungen für typische Farbtemperaturen und Beleuchtungsquellen zur Verfügung (z. B. Tageslicht, Schatten, Bewölkt, Kunstlicht, Blitz etc.). Darüber hinaus bieten hochwertige Kameras die Möglichkeit einer manuellen Messung, z. T. gibt es auch die Möglichkeit von Weißabgleichsreihen (Weißabgleich-Bracketing). Dabei macht die Kamera mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen.

 

Bildbeispiel mit zwei unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen
Bildbeispiel mit zwei unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen

 

 

Tipps zum Weißabgleich

In schwierigen Beleuchtungssituationen empfiehlt sich das RAW-Format. Dieses Format wird leider nur von hochwertigeren Kameramodellen (vor allem SLR-Kameras) angeboten. Die Dateiendung von RAW-Bildern ist abhängig vom Kamerahersteller. Das RAW-Format zeichnet alle am Sensor anliegenden Informationen auf, sodass auch nachträglich im entsprechenden RAW-Konvertierungsprogramm Korrekturen des Weißabgleichs durchgeführt werden können. Auch Bildformate wie JPG oder TIFF können mit Bildbearbeitungsprogrammen korrigiert werden. Bei extremen Farbstichen kann eine nachträgliche Korrektur dieser Formate jedoch zu schlechteren Resultaten führen.

Für eine möglichst korrekte Farbdarstellung (z. B. Reproduktion von Kunstwerken, Produktfotografie) kann der Einsatz von Graukarten bzw. Farbkarten sinnvoll sein. Diese Karten werden für die jeweiligen Beleuchtungseinstellungen bei einzelnen Aufnahmen im Bild positioniert, um eine neutrale Fläche für den Weißabgleich oder eine farbliche Referenz für weitere Korrekturen in der Bildbearbeitung zu haben.


Beispiele für unterschiedliche Weißabgleicheinstellungen

Weissabgleich Für ein besseres Verständnis zur Wirkung des Weißabgleichs ist es hilfreich, Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen oder die Einstellungen in der Bildbearbeitung zu verändern und die Bildergebnisse zu vergleichen. Die folgenden Aufnahmen wurden im RAW-Format mit AWB (Automatischem Weißabgleich durch die Kamera) fotografiert. Anschliessend wurde in Adobe Lightroom der Weißabgleich zur Demonstration verändert.

Fotos am Abend - Künstliche Beleuchtung - Mischlicht

 

Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)
Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Tageslicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Tageslicht

 

 


Fotos bei Tageslicht

 

Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)
Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Leuchtstoffröhrenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Leuchtstoffröhrenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Schatten
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Schatten

 

 

Bei den meisten Kameras wird die Veränderung der Schärfentiefe bei Veränderung der Blende nicht im Sucher oder Display vor der Aufnahme sichtbar. Die Ursache hierfür ist, dass die meisten Kameras die Blende erst direkt bei der Aufnahme auf die eingestellte Arbeitsblende schließen. Würde die Kamera die Blende bereits vor der Aufnahme auf die eingestellte Arbeitsblende schließen, so würde sich das Sucherbild je nach eingestellter Blende stark verdunkeln. Dies könnte unter Umständen die Bildgestaltung mit Hilfe des Suchers unmöglich machen.

Einige Spiegelreflexkameras besitzen deshalb die so genannte "Abblendtaste". Mit dieser Taste kann zu reinen Kontrollzwecken auf die Arbeitsblende vor der Aufnahme abgeblendet werden. Dies dient zur Kontrolle der Schärfentiefe und erleichtert die kreative Gestaltung der Aufnahme.

Sollte eine solche Taste nicht vorhanden sein, kann eine Testaufnahme mit der entsprechenden Blendeneinstellung vorgenommen werden und diese anschließend über das Display beurteilt werden. Bei ungenügender Schärfentiefe ist eine weitere Aufnahme mit veränderter Blendeneinstellung und/oder Fokussierung nötig.

Die folgenden Aufnahmen zeigen Ihnen den Unterschied zwischen dem durch den Sucher wahrgenommenen und dem tatsächlichen Bildergebnis. Das dunkle Bild simuliert den Blick durch den Sucher bei gehaltener Abblendtaste. Achten Sie bei diesem Bild nicht auf die Bildhelligkeit, sondern versuchen Sie den Unterschied in der Schärfentiefe zu erfassen. Die Wahrnehmung der Schärfentiefe bei der Nutzung der Abblendtaste erfordert häufig etwas Übung.

Das folgende Bild zeigt Ihnen den Blick durch den Sucher bei eingestellter Blende 11

Visuelle Wahrnehmung durch den Sucher bei Blende 11


Das folgende Bild zeigt Ihnen das fertige Bildergebnis bei Blende 11

Ergebnis bei Blende 11


Das folgende Bild zeigt Ihnen den Blick durch den Sucher bei eingestellter Blende 11 und gleichzeitigem Druck auf die Abblendtaste

Arbeitsblende 11

 

In den folgenden Artikeln werden Grundlagen zur Fotografie im Allgemeinen bzw. der Digitalfotografie im Speziellen erklärt.

 

Die Schärfentiefe bezeichnet die räumliche Tiefe in der eine Aufnahme die vorliegende Motivsituation scharf abbildet. Diese kann je nach Situation und gestalterischen Ansprüchen gesteuert werden.

Tipps und Regeln zur Steuerung der Schärfentiefe

Schärfentiefe vergrößern

  • Abblenden (kleinere Blende bedeutet höhere Blendenzahl z. B. F16)
  • Objektiv mit kleinerer Brennweite verwenden

Schärfentiefe verringern

  • Aufblenden (größere Blende bedeutet kleinere Blendenzahl z. B. F2,8)
  • Objektiv mit größerer Brennweite verwenden


Weitere Informationen zur Schärfentiefe finden Sie in den Grundlagen bzw. direkt im Artikel zur Schärfentiefe.

Bei Verwendung von Telebrennweiten oder im Makrobereich kann es durchaus vorkommen, dass das Abblenden auf die kleinste Blendenöffnung nicht ausreicht, um eine ausreichende Schärfentiefe zu erhalten. Unter Umständen kann in solchen Fällen eine Veränderung des Bildaufbaus die gewünschte Lösung bieten.

Eidechse
Korsika
Eidechse
Korsika

Die Verschlusszeit (auch Belichtungszeit, engl. shutter speed) ist neben Blende und ISO-Zahl ein wesentlicher Parameter bei der Steuerung der Bildhelligkeit. Die Länge der Belichtungszeit ist wesentlich für die Verwacklungsgefahr beim Fotografieren ohne Stativ verantwortlich.

Die richtige Belichtungszeit ist von folgenden Einflussgrößen abhängig:

  • Helligkeit (abhängig von Beleuchtungsstärke und Farbe bzw. Reflexionsverhalten des Motivs)
  • Blende
  • ISO-Zahl

Achtung! Bei langen Verschlusszeiten besteht die Gefahr von Verwacklungs- bzw. Bewegungsunschärfen. Die Verwacklungsgefahr bei gleicher Verschlusszeit ist von Brennweite abhängig! Um die Verwacklungsgefahr abschätzen zu können, gibt es eine altbewährte Formel, die Reziprok-Regel. Bitte beachten Sie, bei Kameras mit sehr hoher Auflösung werden noch kürzere Zeiten gefordert, als durch diese Regel ermittelt. Am besten probieren Sie selbst aus, ob sie mit den errechneten Zeiten bei den jeweiligen Brennweiten verwacklunsfreie Fotos erhalten.

Reziprok-Regel

Maximale Verschlusszeit die verwacklungsfrei "gehalten" werden kann ist der Kehrwert aus dem Produkt von Brennweite und dem Crop-Faktor (crop = beschneiden) (Verlängerungsfaktor) (Fragen? Hier finden Sie ein Beispiel zur Formel "Verwacklungsgefahr")

Wie lässt sich die Verwacklungsgefahr minimieren?

  • Kurze Verschlusszeiten
  • Mehr Licht (z. B. Blitz)
  • Blende weiter öffnen (kleinere Blendenzahl)
  • Höhere ISO-Zahl
  • Kürzere Brennweiten
  • Kamera stabilisieren (Stativ, Kamera auflegen …)
  • Bildstabilisierungssysteme in Kamera oder Objektiv verwenden (hierbei können die errechneten Werte meist um den Faktor 4-8 verlängert werden)

Der technische Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl wird im entsprechenden Artikel erläutert.

 

Bei bewegten Motiven ist die Verschlusszeit ein wesentlicher Parameter in der Bildgestaltung. Die folgenden Bilder zeigen den Einfluss der Belichtungszeit auf die Bildgestaltung. Das Bild 1 wurde in der Dämmerung mit relativ langer Verschlusszeit aufgenommen. Das Bild 2 wurde bei strahlendem Sonnenschein mit kurzer Verschlusszeit aufgenommen. Beachten Sie die unterschiedliche Darstellung des bewegten Wassers.


Bild 1 - Belichtungszeit 2/5 Sek - Blende 1:13 - ISO-Wert 100 - Brennweite 100mm
Lange Belichungszeit - Wasserfall


Bild 2 - Belichtungszeit 1:800 Sek - Blende 1:10 - ISO-Wert 100 - Brennweite 400mm
Surfer - kurze Belichtungszeit

 

Literaturtipps zum Thema "Fototechnik"

VollautomatikDie "Vollautomatik" ist eine Erweiterung der Programmautomatik (P). Häufig wird diese farblich besonders gekennzeichnet (meist grün). Diese Automatik nutzt sowohl Blende als auch die Belichtungszeit, um die Belichtung des Bildes zu steuern. Bei einigen Herstellern wird zudem auch die ISO-Zahl je nach Anforderungen an eine Verwacklungsreduktion variiert. Dieser ISO-Bereich ist bei einigen Kameras auch durch den Nutzer nach oben hin begrenzbar (ISO-Max). Dies macht Sinn, da die Bildqualität mit erhöhter ISO-Zahl deutlich abnehmen kann. Doch dann (nicht nur dann) sollte man in besonderer Weise der Belichtungszeit Aufmerksamkeit schenken, um die Verwacklungsgefahr einschätzen zu können. Dieser Modus ist in Verbindung mit der richtigen Fokussierungstechnik (und evtl. einer Belichtungskorrektur) für sehr viele Motivsituationen geeignet.

Vorgänge beim Druck auf den Auslöser:

  • Fokussierung
    • Die Kamera muss hierbei erkennen, wo das Hautmotiv im Bild steckt bzw. was für den Fotografen wichtig ist. Dies kann sehr stark variieren und die Kamera zu einer "Fehleinschätzung" bewegen.
  • Messung der Helligkeit des Motivs in verschiedenen Bildbereichen
    • Auswertung der Helligkeitsinformationen und Umsetzung dieser anhand der Parameter:
      • Belichtungszeit
      • Blende
      • ISO-Wert
    • Die Kamera muss hierbei ebenfalls erkennen, wo das Hautmotiv im Bild steckt bzw. was für den Fotografen wichtig ist. Auch dies kann sehr stark variieren und die Kamera zu einer weiteren "Fehleinschätzung" bewegen.

Diese vereinfachte Darstellung der Vorgänge beim Druck auf den Auslöser zeigt bereits zwei wesentliche Problembereiche bei der Nutzung von Vollautomatikfunktionen auf, die ihre Ursache darin haben, dass eine Kamera nicht erraten kann, welche kreativen Ideen der Fotograf bei der Aufnahme verfolgt. Um diesem Problem zu begegnen, ist eine Auseinandersetzung mit der Fokussierung, Belichtungsmessung und Belichtungssteuerung unumgänglich.

 

MotivprogrammeMeist arbeiten die Automatikfunktionen der aktuellen Kameras recht zuverlässig, es gibt jedoch Motivsituationen, in denen die Kameras an Ihre Grenzen stoßen. Vor allem für Anfänger ist es schwierig, die richtigen Kameraeinstellungen vorzunehmen, um zu einem befriedigenden Bildergebnis zu kommen. Viele Kameras besitzen für eine Reihe von Motivsituationen spezielle Aufnahmeprogramme, die sogenannten Motivprogramme.

Motivprogramme erlauben es dem fototechnisch wenig versierten Fotografen, ohne Wissen über Blende, Belichtungszeit oder ISO-Zahl, die Kamera an spezifische Aufnahmesituationen anzupassen. Bei der Nutzung dieser Programme erhält die Kamera wichtige Informationen über das vorliegende Motiv und kann mit entsprechenden Einstellungen darauf reagieren, ähnlich wie es der Fotograf bei entsprechendem Know-how selbst vornehmen würde.

Dies klingt zunächst sehr gut, doch gibt es auch hier wie in so vielen Bereichen der Fotografie nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Die Probleme liegen vor allem darin, dass kaum Einfluss auf die Einstellungen genommen werden kann. Dies ist jedoch gewollt, denn nur so ist gewährleistet, dass die von der Kamera vorgenommenen Einstellungen auch zum Tragen kommen.



Schwieriger ist, dass kaum nachzuprüfen ist, welche Einstellungen über Blende, ISO-Zahl und Belichtungszeit hinaus verändert werden. So gehen einige Hersteller z. B. davon aus, dass eine Landschaftsaufnahme mit höherer Farbsättigung und größerem Kontrast positiver vom Betrachter beurteilt wird. Sie ändern deshalb auch Parameter wie z. B. Farbsättigung und Kontrast in den Motivprogrammen. Dies kann mitunter zu unerwünschten Ergebnissen führen, da eine manuelle Korrektur dieser Werte in den Motivprogrammen meist nicht vorgesehen ist.

Die Motivprogramme sind von Kamera zu Kamera bzw. von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. Für den technisch wenig versierten Fotografen bieten sich vor allem folgende Motivprogramme an.

PortraitmodusPorträt

  • Kleine Blendenzahl – kleine Schärfentiefe
  • Meist auch Anpassung der Hauttöne

LandschaftsmodusLandschaft

  • Große Blendenzahl – große Schärfentiefe
  • Häufig auch Erhöhung der Farbsättigung

SportmodusSport

  • Kurze Belichtungszeit (zusätzlich wird meist der AF-Servo und Serienbildmodus aktiviert)
  • Kann nicht nur im Bereich Sport gute Dienste leisten, sondern auch z. B. bei Kindern.

NachtportraitNachtporträt

  • Dieser Modus ist für Aufnahmen in relativ dunkler Umgebung geeignet, um die vorhandene Lichtstimmung in das Bildergebnis mit einwirken zu lassen.
  • Achtung - Die Kamera nutzt eine längere Verschlusszeit, um das Umgebungslicht zu erfassen. Daraus ergibt sich eine erhöhte Verwacklungsgefahr (Stativ wäre von Vorteil).
Kreativprogramme

In den Kreativprogrammen kann der Fotograf im Gegensatz zu den Motivprogrammen wesentliche Aufnahmeparameter wie Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl steuern.

Aufgrund der unterschiedlichen Kameratypen kann es bei verschiedenen Kameramodellen zu Abweichungen in der Bedienung kommen. Daher ist das Studium des Benutzerhandbuchs (Manual) der verwendeten Kamera dringend zu empfehlen.

Es ist hilfreich, zu wissen, für welche Begriffe A/AV und S/TV stehen. Die Abkürzungen leiten sich aus dem Englischen ab. A/AV kommt von Aperture (engl. für Blende) bzw. AV von Aperture Value, in diesem Modus wählen Sie die Blende und die Kamera übernimmt automatisch die Steuerung der Zeit. S steht für Shutter Speed (engl. für Verschluss- bzw. Belichtungszeit)bzw. TV für Time Value.

ProgrammautomatikDie Programmautomatik (P) ist eine gute Alternative zur Vollautomatik und bietet die Möglichkeit wichtige Aufnahmeparameter festzulegen.

  • Alternative zur Vollautomatik mit erweiterten Einstellmöglichkeiten
  • Für viele Fotografen das Standardprogramm für 99% der Aufnahmesituationen
  • Sehr komfortabel
  • Kontrolle der Kameraeinstellungen ist jedoch notwendig

 

Bedienung, Möglichkeiten und Probleme

  • Die Kamera stellt automatisch Blende und Verschlusszeit ein
     
  • ISO-Einstellung kann bei diesem Modus bei allen Kameras die diesen Modus anbieten vom Fotografen je nach Lichtsituation und Einsatzbereich selbst gewählt werden
    • ISO-Zahl sollte daher überprüft werden und in Abhängigkeit der benötigten Verschlusszeit-Blendenkombination entsprechend eingestellt werden. Hierbei ist auch auf das Rauschverhalten der Kamera im höheren ISO-Bereich zu achten
       
  • Bei zahlreichen Kameras kann eine Programmverschiebung (Programm-Shift) genutzt werden
    • Trotz Programmautomatik kann hierbei die Blende oder die Verschlusszeit für die folgende Aufnahme (meist über eines der Stellräder der Kamera) vorgewählt werden
    • Diese Einstellung wird nach kurzer Zeit für die weiteren Aufnahmen wieder zurückgesetzt
    • Somit steht wieder die Vollautomatik in Bezug auf Blende und Verschlusszeit zur Verfügung
       
  • Sehr wichtiges Kreativprogramm durch die Möglichkeit auf weitere Aufnahmeparameter und Kameraeinstellungen Einfluss zu nehmen ohne auf eine Basisautomatik im Bereich Blende und Verschlusszeit verzichten zu müssen
     
  • Nachteile
    • Bei verstellten Kameraparametern wie Belichtungskorrektur, ISO-Zahl … greift keine automatische Kontrolle der Kamera
       
  • Wichtig – Kontrolle der Kameraeinstellungen
    • ISO-Wert (zu hoch? zu niedrig? oder auf ISO-Automatik?)
    • Belichtungskorrektur (+/-) auf O?
    • Bildqualität

Da eine große Zahl von Parametern verstellt werden kann, ist es nicht möglich eine komplette Auflistung dieser zu geben – sollte Unsicherheit über die Verstellung weiterer Parameter bestehen kann eine Rückstellung der Kameraeinstellungen über das Kameramenü angedacht werden.

 

Weitere Infos zu den Kreativprogrammen

Welches Programm soll ich verwenden?

 

Zeitautomatik

Die Zeitautomatik (A, AV) ist eine gute Alternative zur Vollautomatik und bietet die Möglichkeit wichtige Aufnahmeparameter festzulegen. Dieser Modus wird vor allem zur gezielten Steuerung der Schärfentiefe eingesetzt.

  • Für manche Fotografen ist die Zeitautomatik (A, AV) ebenfalls eine Alternative zur Vollautomatik
  • Kontrolle der Kameraeinstellungen ist notwendig
  • Dieser Modus wird vor allem zur gezielten Steuerung der Schärfentiefe eingesetzt – häufig zur Kontrolle der Schärfentiefe in Verbindung mit der Abblendtaste
  • Empfehlenswert vor allem dann, wenn bei mehreren aufeinanderfolgenden Aufnahmen die Schärfentiefe kontrolliert werden soll (bei lediglich einer Aufnahme s. Programmautomatik und Programm-Shift).

Bedienung, Möglichkeiten und Probleme

  • In diesem Modus kann vom Fotografen die Blende vorgewählt werden
  • Die Kamera wählt (im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Belichtungszeiten) die Belichtungszeit selbst
  • Große Blendenwerte ergeben eine große Schärfentiefe
  • Kleine Blendenwerte ergeben eine geringere Schärfentiefe
  • Wichtig – Kontrolle der Kameraeinstellungen
    • Auf Kameraanzeige achten

      • Übersteigt die zur korrekten Belichtung geforderte Belichtungszeit die technischen Möglichkeiten der Kamera, so zeigt die Kamera dies im Sucher an (abhängig von Kameratyp und Hersteller - meist Blinken des Verschlusszeitenwertes – Bedienungsanleitung der Kamera!)
      • Evtl. kann durch entsprechende ISO-Einstellung die gewünschte Blendeneinstellung beibehalten werden (übersteigt die geforderte Belichtungszeit die techn. Möglichkeiten der Kamera kann evtl. die ISO-Zahl verringert werden bzw. bei zu langer Belichtungszeit erhöht werden)
    • Zudem ist auf die erhöhte Verwacklungsgefahr bei zu langen Verschlusszeiten zu achten

In diesem Modus gelten zudem alle Aspekte zur Kontrolle der Kameraeinstellungen wie in der Programmautomatik.

 

Weitere Infos zu den Kreativprogrammen

Welches Programm soll ich verwenden?

 

Blendenautomatik

Die Blendenautomatik (T, TV, S) wird vor allem zur gezielten Kontrolle der Belichtungszeit eingesetzt. Dieser Modus empfiehlt sich vor allem dann, wenn bei mehreren aufeinanderfolgenden Aufnahmen die Belichtungszeit kontrolliert werden soll.

  • Dieser Modus wird vor allem zur gezielten Kontrolle der Belichtungszeit eingesetzt
  • Empfehlenswert vor allem dann, wenn bei mehreren aufeinanderfolgenden Aufnahmen die Belichtungszeit kontrolliert werden soll – bei lediglich einer Aufnahme s. Programmautomatik und Programm-Shift
  • Kontrolle der Kameraeinstellungen ist notwendig

Bedienung, Möglichkeiten und Probleme

  • In diesem Modus kann vom Fotografen die Zeit vorgewählt werden
  • Die Kamera wählt (im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Blenden) die Blende selbst um eine ausreichende Belichtung zu erreichen
  • Kurze Verschlusszeiten ermöglichen es Bewegungen scharf abzubilden (zudem geringere Gefahr der Verwacklung)
  • Lange Verschlusszeiten ermöglichen es Bewegungen unscharf (verwischt) darzustellen (z. B. Mitzieheffekt)
  • Wichtig – Kontrolle der Kameraeinstellungen

    • Auf Kameraanzeige achten
      • Übersteigt die zur korrekten Belichtung geforderte Blende die technischen Möglichkeiten des Objektivs, so zeigt die Kamera dies im Sucher an (Abhängig von Kameratyp und Hersteller - meist Blinken des Blendenwertes – Bedienungsanleitung der Kamera!)
      • Evtl. kann durch entsprechende ISO-Einstellung die gewünschte Verschlusszeit beibehalten werden (Übersteigt der geforderte Blendenwert die technischen Möglichkeiten des Objektivs so kann evtl. die ISO-Zahl verringert – bzw. erhöht werden)
    • Zudem ist auf die erhöhte Verwacklungsgefahr bei zu langen Verschlusszeiten zu achten

In diesem Modus gelten zudem alle Aspekte zur Kontrolle der Kameraeinstellungen wie in der Programmautomatik.

 

Weitere Infos zu den Kreativprogrammen

Welches Programm soll ich verwenden?

 

Manuelle Bedienung

Der Betriebsmodus M ermöglicht bei digitalen Spiegelreflexkameras eine manuelle Steuerung fast aller Aufnahmeparameter. Dieser Modus eignet sich sehr gut bei Aufnahmen unter gleich bleibenden Lichtbedingungen und wenn genügend Zeit zur Einstellung von Blende und Verschlusszeit vorhanden ist. Achtung! Bei einigen digitalen Kompaktkameras verbirgt sich hinter dem Betriebsmodus M lediglich eine Vollautomatik, bei der Parameter wie z. B. ISO-Zahl und Autofokusmodus eingestellt werden können.

  • Dieser Modus eignet sich sehr gut bei Aufnahmen unter gleich bleibenden Lichtbedingungen und wenn genügend Zeit zur Einstellung von Blende und Verschlusszeit vorhanden ist
  • Einsatz vor allem bei speziellen Belichtungszeit- und Blendenkombinationen evtl. in Verbindung mit einer Belichtungskorrektur
  • Auch Belichtungsreihen lassen sich sehr individuell gestalten
  • In Verbindung mit Blitzlicht lässt sich der Einfluss des vorhandenen Lichts sehr gut steuern



Bedienung, Möglichkeiten und Probleme

  • In diesem Modus kann vom Fotografen die Zeit und die Blende frei vorgewählt werden
  • Es greift keine Automatik
    • Der Fotograf ist für die korrekte Einstellung von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert verantwortlich
    • Die Kameras bieten hierzu jedoch eine Hilfestellung, die Lichtwaage (Standardbelichtungsindex) im Sucher
    • Die Belichtungsstufenmarkierung muss für eine (laut Belichtungsmessung) korrekte Belichtung in der Mitte liegen
  • Wichtig – Kontrolle der Kameraeinstellungen
    • Auf Kameraanzeige achten (Lichtwaage)
    • Zudem ist auf die erhöhte Verwacklungsgefahr bei zu langen Verschlusszeiten zu achten

In diesem Modus gelten zudem alle Aspekte zur Kontrolle der Kameraeinstellungen wie in der Programmautomatik.

 

Weitere Infos zu den Kreativprogrammen

Welches Programm soll ich verwenden?

 

Die Autofokusbetriebsarten lassen sich in Servo und Single-Shot untergliedern.

 

Single-Shot-Funktion

Die Single-Shot-Funktion ist bei statischen Motiven erste Wahl. In Verbindung mit dem angewählten Fokusfeld kann der Fotograf sehr genau entscheiden worauf fokussiert werden soll. Die eingestellte Entfernung wird nach erfolgter Scharfstellung so lange gespeichert, wie der Auslöser halb gedrückt bleibt. Ausnahmen hierzu bieten lediglich wenige professionelle Kameras, die bei entsprechender Tastenbelegung über eine eigene Fokus-Taste verfügen. Bei diesen Kameras ist die Auslösetaste bei entsprechender Individualeinstellung nicht mit der Fokussierung verknüpft. Auch für Sportaufnahmen oder andere dynamische Ereignisse kann sich die Single-Shot-Funktion gut eignen. Beispiele hierfür sind vor allem Ereignisse die sich in einer bereits bekannten Entfernung ereignen werden (z. B. Zieleinlauf - über die Ziellinie). Der Vorteil dieses Betriebsmodus (bei einer solchen Motivsituation) liegt darin, dass die Kamera ohne lange Verzögerung auslöst.

 

Servo-Autofokus

Der Servo-Autofokus wird vor allem in der Sportfotografie eingesetzt. Hierfür ist es häufig besser mehrere Fokusfelder zu verwenden, um eine bessere Motivabdeckung mit den Fokusfeldern zu haben. So kann es durchaus schwierig werden, z. B. einem Fußballspieler mit einem einzelnen Fokusfeld zu folgen. Bei der Aktivierung mehrerer Fokusfelder "übergibt" das aktive Fokusfeld bei Bedarf an die umliegenden Fokusfelder. Dieser Betriebsmodus kann auch bei anderen Motivsituationen, die durch Dynamik geprägt sind und bei denen eine exakte Fokussierung über die Single-Shot-Funktion (z. B. wegen der fehlenden Zeit) nicht möglich ist, gute Dienste erweisen.

Hinzu kommt bei vielen SLR-Kameras eine Fokusbetriebsart bei der die Kamera zwischen den beiden genannten Funktionen wechselt, wenn die Kamera eine Bewegung des Hauptmotivs feststellt.

 

Weitere Artikel zum Thema Fokussieren und Scharfstellen

 

 

Soll eine Kamera völlig selbstständig die Scharfstellung übernehmen, steht sie zunächst vor einem fast unlösbaren Problem. Sie muss erraten, welche Bildbereiche für den Fotografen wichtig sind und scharf dargestellt werden sollen. Doch bei der Analyse von Fotos lassen sich bestimmte Grundmuster entdecken. So hat man festgestellt, dass wenn Gesichter im Bild vorhanden sind, diese meist fokussiert werden sollen. Die Gesichtserkennungstechnik, die mittlerweile bis in die SLR-Kameras Einzug gehalten hat, ist eine Motiverkennungstechnik, die es der Kamera ermöglicht über bestimmte Bildstrukturen, Kontrast- und Farbverteilungen Rückschlüsse auf das vorliegende Motiv zu ziehen.

In vielen Fällen funktioniert die Grundannahme, dass wenn ein Gesicht im Bild ist dieses scharf im Foto abgebildet werden soll, sehr gut. Doch was passiert wenn das Gesicht  aus künstlerisch-gestalterischen Gründen evtl. als unscharfer Vordergrund im Bild sein soll? Spätestens dann sind die Grenzen dieser Automatik erreicht und der Fotograf sollte sich mit den verschiedensten Fokustechniken seiner Kamera vertraut machen (noch besser bereits vertraut sein).

 

Weitere Artikel zum Thema Fokussieren und Scharfstellen

Die Fokussierung (Scharfstellung, Entfernungseinstellung) wird häufig als nicht weiter beachtenswert angesehen. Doch zeigt die Schulungs- und Verkaufspraxis, dass gerade in diesem Bereich der Fotograf ohne aufwendiges technisches Wissen seine fotografischen Gestaltungsmöglichkeiten deutlich verbessern kann. So machen sich nur wenige Nutzer Gedanken darüber, woher die Kamera wissen soll, auf was sie scharf stellen soll (eine Frage die sich  z. B. auch bei der Belichtungsmessung stellt).

Beispiel Autofokus: Die richtige Auswahl der Fokusfelder ist hierbei entscheidend!
Beispiel Autofokus: Die richtige Auswahl der Fokusfelder ist hierbei entscheidend!

Da dies so ist, entwickeln die Hersteller immer neue Techniken mit denen die Kamera noch besser "erraten" soll, was der Fotograf in der jeweiligen Situation wohl "scharf" haben möchte. Eine dieser Techniken ist die Gesichtserkennungstechnik, die mittlerweile bis in die SLR-Kameras Einzug gehalten hat. Bei dieser Technik geht der Konstrukteur davon aus, dass wenn ein Gesicht Teil eines Bildes ist, dieses mit hoher Wahrscheinlichkeit das Hauptmotiv sein wird. Doch was passiert, wenn das Gesicht evtl. als unscharfer Vordergrund im Bild sein soll? Spätestens dann sind die Grenzen dieser Automatik erreicht und der Fotograf sollte sich mit den verschiedenen Fokustechniken seiner Kamera vertraut machen.

Der Auto-Fokus stellt im Gegensatz zum manuellen Scharfstellen eine Möglichkeit der "automatischen" Scharfstellung dar. Bei den meisten Kameras ist diese Funktion als Standard aktiviert und kann bei zahlreichen Kompaktkameras auch nicht deaktiviert werden. Hierbei stellt die Kamera beim halben Durchdrücken des Auslösers zunächst auf das aktive oder die aktiven Fokusfelder scharf. Sind mehrere Fokusfelder aktiviert, so versucht die Kamera durch die Farb- und Kontrastverteilung im Bild zu erraten, wo sich das Hauptmotiv befindet. Meist stellt der Autofokus auf das der Kamera am nächsten liegende Objekt scharf.

Dass eine Kamera bisher nicht in der Lage ist, die vielfältigen gestalterischen Absichten eines Menschen zu erraten, liegt auf der Hand. Damit die richtige Fokussierung nicht zum Glückstreffer wird, sollte man sich mit den verschiedenen Fokussierungstechniken vertraut machen.

Die nächsten beiden Bilder zeigen Ihnen zwei fast gleiche Motivsituationen, die jedoch durch die unterschiedliche Fokussierung eine völlig andere Aussage bekommen.


Bild 1 - Fokus auf den Hintergrund
Fokussierung auf den Hintergrund


Bild 2 - Fokus auf den Vordergrund

Fokussierung auf den Vordergrund

Da Ihre Kamera sich im Automatikmodus ohne weitere Kontrolle der Fokussierung für eine dieser Beiden Varianten entscheiden muss, kann es vorkommen, dass Sie "Glück haben" und die gewünschte Fokussierung von der Kamera durchgeführt wird. Sollten Sie aber eine andere Bildaussage treffen wollen, ist es für Sie wichtig, sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Fokussierung vertraut zu machen.

Im Folgenden empfehle ich eine Auseinandersetzung mit den Fokus-Feldern.

Beispiel für die Lage der Fokusfelder
Fokusfelder

 

Weitere Artikel zum Thema Fokussieren und Scharfstellen

 

Der manuelle Fokus ist die älteste Form der Fokussierung und war seit Beginn der Fotografie vor etwa 180 Jahren bis Mitte der 70er Jahre des 20. Jh. die einzige Möglichkeit eine Scharfstellung auf einen gewünschten Entfernungsbereich festzulegen.

Doch bis heute bietet diese Form der Fokussierung in bestimmten Aufnahmesituationen Vorteile gegenüber den automatisierten Techniken der Scharfstellung.

  • Dunkelheit - Autofokus arbeitet evtl. nicht oder ungenau
  • Arbeit vom Stativ - bei Verwendung des Auto-Fokus müsste unter Umständen für jede Aufnahme die Kamera neu ausgerichtet werden
  • Gleichbleibende Entfernung (z. B. Produktionsüberwachung)
  • Zwischen Hauptmotiv und Kamera befindet sich ein nur halbdurchlässiges Objekt (z. B. Gardine s. Beispiel 1, schmutzige Scheibe) - in solchen Fällen kann die Fokussierung gestört sein oder die Kamera auf die falsche Entfernungsebene scharf stellen
  • Bei starken Weitwinkelobjektiven in Verbindung mit entsprechenden Blenden kann evt. auf eine weitere Fokussierung verzichtet werden
  • Weiterer Vorteil der manuellen Scharfstellung besteht in dem Umstand, dass die Kamera ohne Verzögerung durch die Fokussierung auslöst
  • Niedriger Motivkontrast
  • ...

Leider bieten nicht alle Kompaktkameras die Möglichkeit dieser Fokussierung. Bei Spiegelreflexkameras gehört die manuelle Fokussierung zur Standardausstattung.


Beispiel 1 für ein halbdurchlässiges Objekt - Gardine
Gardine als Beispiel für eine Problemsituation beim Fokussieren



Viele aktuelle Kameras verfügen über eine Dioptrieneinstellung am Sucher. Hiermit können Sie die den Sucher auf Ihre Sehstärke anpassen. Bei der manuellen Fokussierung sollten Sie besonders darauf achten, dass die Dioptrieneinstellung Ihrer Kamera richtig eingestellt ist.


Tipp zur korrekten Dioptrieneinstellung

  • Lassen Sie Ihre Kamera im Autofokusmodus scharf stellen
  • Verändern Sie dann die Dioptrieneinstellung bis Sie den Bildbereich, der im Bereich des aktiven Fokusfeldes liegt (der Bereich, auf den die Kamera scharf gestellt hat), durch den Sucher scharf sehen

Hilfsmittel bei der manuellen Fokussierung

 

Weitere Artikel zum Thema Fokussieren und Scharfstellen

 

Aktuelle Autofokus-Kameras bieten nicht wie in der Anfangszeit der Autofokus-Technik lediglich ein zentrales Fokusfeld, sondern eine Vielzahl von Feldern (z. B. Canon EOS-1Ds Mark III - 35 Fokus-Felder). Dies führt zum einen zu einer besseren Abdeckung des Bildbereichs durch Fokusfelder (z. B. wichtig bei Sportaufnahmen), zum anderen zu einer komfortableren und treffsichereren Scharfstellung bei automatischer Fokusfeldwahl.

Bei der Nutzung mehrerer Fokusfelder ist darauf zu achten, dass die Scharfstellung auch mit den eigenen Wünschen übereinstimmt. Diese Problematik wurde in vorangegangenen Kapiteln zur Fokussierung bereits anhand von Bildbeispielen verdeutlicht. Die Kamera zeigt den Fokusbereich nach erfolgter Fokussierung in der Regel auf dem Display bzw. im Sucher anhand von kleineren farbigen Kästchen oder Rahmen an. Sollten diese nicht mit der gewünschten Scharfstellung übereinstimmen, so kann auf eine Manuelle Fokussierung oder eine Autofokusmessung mit dem vom Fotografen vor der Aufnahme gewählten Fokus-Feld erfolgen.
Bei der folgenden Aufnahme wurde das Bild kurzfristig umgestaltet, da sich dieser interessierte Zeitgenosse vor das Objektiv geschoben hatte. Ursprünglich war die Kamera auf das mittlere Fokusfeld eingestellt. Ziel war es die Person nicht zu verunsichern. Dies wäre beim Richten des mittleren Fokusfelds direkt auf die Person unter Umständen passiert. Mittels Fokusfeldwahl der Kamera wurde das rot markierte Feld angewählt.
Sie sollten sich mit den Möglichkeiten der Fokusfeldwahl Ihrer Kamera auseinandersetzen, so ist ein schnelles Reagieren auf sich verändernde Motivsituationen möglich. Auch eine manuelle Fokussierung wie sie in folgenden Kapiteln vorgestellt wird wäre in diesem Fall sehr gut möglich gewesen.

Beispiel für die Anzeige des aktiven Fokusfeldes bei einer digitalen SLR-Kamera mit 9 zur Verfügung stehenden Feldern
Aktives Fokusfeld

In vielen anderen Fällen ist es sinnvoll das mittlere Fokusfeld als Standard zu aktivieren und dieses vor der Aufnahme für den Fokusvorgang auf das gewünschte Objekt zu richten. Bei halb gedrückter Auslösetaste wird nach der erfolgten Fokussierung das Bild nach den eigenen Vorstellungen ausgerichtet. Auch bei Hauptmotiven, die außerhalb der Fokusfelder liegen ist dieses Vorgehen eine gute Lösung.


Beispiel für ein Hauptmotiv außerhalb der Fokusfelder
Hauptmotiv ausserhalb der Fokusfelder
Diese Technik funktioniert jedoch nur wenn die Kamera die Fokussierung mit erfolgter Scharfstellung abschließt und beim neuen Ausrichten der Kamera keine neue Fokussierung durchführt. Hierfür muss die Autofokusbetriebsart "Single" gewählt sein. Diese steht im Gegensatz zum Servo-Autofokus und wird im folgenden Artikel"Servo / Single" behandelt.

 

Weitere Artikel zum Thema Fokussieren und Scharfstellen

Die Schärfentiefe bezeichnet die räumliche Tiefe, in der eine Aufnahme die vorliegende Motivsituation scharf abbildet. Nicht zu verwechseln ist dies mit der Fokussierung, diese legt zunächst nur eine Entfernungsebene fest. Die Schärfentiefe bezeichnet die Ausdehnung der Schärfe. Die Schärfentiefe ist von Brennweite, Entfernung, Blende und Aufnahmeformat abhängig.


Merke:

  • Je größer die verwendete Brennweite, desto kleiner ist die Schärfentiefe.
  • Je größer die Blendenzahl (bzw. je kleiner die Blendenöffnung), desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Bei geringerer Distanz zwischen Kamera und Aufnahmeobjekt nimmt die Schärfentiefe ab.

Bei den meisten Kameras wird die Veränderung der Schärfentiefe nicht im Sucher oder Display vor der Aufnahme sichtbar. Die Ursachen und Lösungsvorschläge werden im Kapitel Abblendtaste thematisiert.


Der Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl wird im entsprechenden Artikel erläutert.


Die folgenden Bilder verdeutlichen Ihnen die Wirkung unterschiedlicher Blenden auf die Schärfentiefe. Achten Sie auch darauf, dass sich bei gleichbleibenden Lichtbedingungen auch die Belichtungszeit verändern muss, um eine gleichbleibende Bildhelligkeit zu erreichen.


Aufnahme bei Blende 1:4

Blende 4



Aufnahme bei Blende 1:8

Blende 8



Aufnahme bei Blende 1:22
Blende 22

Weitere Informationen zur Schärfentiefe finden Sie im Artikel Abblendtaste.

Die Schärfentiefe lässt sich auch berechnen. Hier finden Sie ein Online-Tool zur Berechnung der Schärfentiefe:

Literaturtipps zum Thema "Fototechnik"

Techn. Grundlagen

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