header6.png

Eine romantische karibische Nacht, der Mond leuchtet als große Scheibe am Himmel und beleuchtet die nächtliche Stadt. Kunstlicht und das blasse Licht des Mondes mischen sich unter den Straßenlaternen – das Leben als Filmset. "Das muss man fotografieren," denken Sie sich. Das Stativ und den Fernauslöser haben Sie dabei und so geht es los.

Die ersten Aufnahmen sind im Kasten, doch die Enttäuschung ist groß. Was als silberne von Katern und Tälern durchzogene Scheibe in der Realität so romantisch aussieht, ist auf der Aufnahme nur als verschwommener, ovaler weißer Fleck im Bild zu erkennen. Das Foto entbehrt jeder Romantik. Was ist passiert? Das helle Licht des Mondes ist deutlich heller als die spärlich beleuchte Straßenszene, sodass der Mond Bildbereiche unnatürlich überstrahlt.

Etwaige Probleme wenn der Mond sich im Bildausschnitt befindet

  • Evtl. Überstrahlung durch einen zu großen Motivkontrast
  • Evtl. Verzerrung des Mondes, hervorgerufen durch eine lange Belichtungszeit und die Erdrotation

Welche Möglichkeiten bieten sich bei einer solchen Motivsituation an? Es ist z. B. deutlich einfacher, zwei separate Aufnahmen zu machen, eine von der Straßenszene und eine vom Mond, und diese Bilder mittels Bildbearbeitung am Computer zusammenzufügen. Dabei muss der Himmelskörper bei der Aufnahme der Straßenszene außerhalb des Bildes positioniert werden. Sie können bei beiden Aufnahmen die Belichtung den einzelnen Lichtquellen anpassen und somit Überstrahlungen vermeiden. Vor allem bei den Mondaufnahmen kann es vorkommen, dass Sie die Belichtung anpassen müssen (nach Minus korrigieren oder eine exakte Messung über die Spot- oder Selektivmessung). Vermeiden Sie zu lange Belichtungszeiten, sonst sorgt die Erdrotation für eine Verzerrung des Himmelskörpers (evtl. Blende öffnen oder ISO-Zahl hoch).

Ein weiterer Vorteil, wenn Sie zwei Aufnahmen anfertigen, liegt darin, dass Sie die Brennweite zwischen den Aufnahmen dem entsprechenden Motiv anpassen können (z. B. Weitwinkel für die terrestrischen Elemente und eine Telebrennweite für den Erdtrabanten). Den Puristen mag dieses Vorgehen zu sehr einer Bildmanipulation entsprechen. An dieser Stelle soll jedoch keine Grundsatzdiskussion zum Thema digitale Bildmanipulation geführt werden. Sandwichverfahren oder Doppelbelichtungen (siehe Bild 2) waren bereits in der analogen Fotografie beliebt, wie übrigens viele weitere Manipulationsmethoden.

Eine weitere Möglichkeit für den Umgang mit hohem Motivkontrast ist die HDR-Fotografie. Hierbei werden Belichtungsreihen mit entsprechender Software kombiniert. Ein Problem für diese Technik (beim genannten Motivbeispiel) kann die Erddrehung und das damit verbundene Wandern des Himmelskörpers in den Fotos darstellen.

Im Folgenden sehen Sie ein Bildbeispiel, bei dem der Mond eine wesentliche Beleuchtungsquelle darstellt, aber nicht direkt im Bild sichtbar ist. Bei dieser Aufnahme wurde der Mond bewusst hinter dem Gebäude platziert. Dadurch konnte die Belichtung so angepasst werden, dass das Straßenpflaster bis zum Vordergrund ausreichend belichtet ist. Die Wolken haben bis in die hellen Bereiche ausreichend Zeichnung und sind nicht überbelichtet und "ausgefressen". Die Position wurde mehrfach angepasst, bis die zu hellen, überstrahlten Wolkenbereiche durch die Gebäude abgedeckt waren.

 

Technisches / Equipment

  • Dreibeinstativ
  • Fernauslöser
Einstellungen
  • Spiegelvorauslösung
  • Brennweite – 12mm (entspricht 18mm Kleinbild)
  • Blende – f/9
  • Belichtungszeit - 30 Sekunden
  • ISO-Wert - 100

Nachtaufnahme von Trinidad - Kuba

Kuba – Trinidad - 2008

 

Das folgende Foto wurde analog auf Farbumkehrfilm (Diafilm) aufgenommen. Das Bild wurde zweimal belichtet, die Hafenansicht mit einem Weitwinkel-Objektiv (28mm) und der Mond mit einer 200mm-Brennweite. Um eine Überbelichtung des Films zu vermeiden, wurden beide Aufnahmen mit einer Belichtungskorrektur (- 1) aufgenommen.

Doppelbelichtung - Kreta – Hafen von Rethymno – 2003

Doppelbelichtung - Kreta – Hafen von Rethymno – 2003

 

Im Folgenden sehen Sie eine Aufnahme, bei welcher der hohe Kontrastunterschied im Bild dazu geführt hat, dass nicht nur der Mond, sondern auch weitere Bildbereiche rund um den Erdtrabanten überbelichtet sind. In diesem Zusammenhang spricht man auch von "ausgefressenen Lichtern".

 

IMG_3165_tn

Unser Mond – Regensburg 2005

 

Lust auf mehr? Weitere wertvolle Praxistipps zur Nachtfotografie bekommen Sie in meinen Praxis-Workshops mit der kleinen Fotoschule CH in Zürich. Weitere Infos hierzu finden Sie unter: www.kleine-fotoschule.ch.

Hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung zur Fotografie bei Nacht und blauer Stunde als PDF - Nachtfotografie.pdf

 

Weiterlesen – Tipps zum Kauf und der Nutzung von Stativen

 

Techn. Grundlagen

Login

Zum Seitenanfang