header3.png

Trotz 27 Kilo Kampfausrüstung übernachte ich wieder in einer der zahlreichen Pilgerherbergen, ich habe entgegen aller Ratschläge Zelt, Isomatte, Kocher, zwei Stative, SLR, 100-400mm-Tele und so manchen weiteren unnötigen Ausrüstungsgegenstand mit auf den Jakobsweg genommen. Nicht wenige Pilger äußern ihre Vermutung, dass mein Gepäck für eine Sündenlast stehe, für die ich nun auf dem Camino büße würde. Wie dem auch sei, ich hätte mit der Ausrüstung ohne Probleme ein paar Wochen abseits des Weges in den Bergen verbringen können, hätte dann aber nicht nur auf das allabendliche Menu Pelegrino verzichtet.

Ich übernachte in einer der kleineren Herbergen auf dem Weg nach Santiago de Compostela, in Villarmentero de Campos, einem kleinen Dorf im Nirgendwo, geprägt von der aus der Landschaft ragenden Kirche und der schnurgerade durch den Ort verlaufenden P-980. Wir sind zu dritt in der Albergue, ein österreichischer Musiker, ein Kanadier und Ich. Wir kochen gemeinsam und tauschen, wie so üblich, bei spanischem Landwein unsere Erlebnisse auf dem Camino aus. „Was machst du?“ „Hast du den oder die getroffen?“ „Wie geht’s nach dem Camino weiter?“ …

Am nächsten Morgen regnet es in Strömen. Im Englischunterricht habe ich diese Wortfamilie als „three letter words“ kennengelernt. Nun an diesem Morgen bekomme ich eine kleine Auffrischung, was meinen Wortschatz betrifft. Schimpfend springt der Kanadier aus seinem Stockbett und eilt in Unterwäsche nach draußen. Seine Wanderschuhe stünden noch vom Vorabend zum Lüften vor der Herberge. Die Schuhe sind weg. Die Herbergshunde haben ein neues Spiel entdeckt. Wir machen uns auf die Suche nach den Wanderschuhen. Es ist kalt und es regnet in Strömen. Dabei war gestern alles noch so idyllisch. Im Abendlicht, dort bei der Brücke, keine 200m von der Albergue entfernt …

 

Brücke am Jakobsweg

 

 

Techn. Grundlagen

Login

Zum Seitenanfang