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Manche Bilder sollte man sich in die Seele brennen und dort wachsen lassen. Eine subjektive Sicht zum Wandel der Fotografie.

Eine subjektive Sicht zum Wandel der Fotografie

So mancher engagierte Fotoamateur hat über die Jahre viel Geld in den Erwerb der richtigen Fotoausrüstung gesteckt. So manche Reise oder Wochenendtour wurde nicht unternommen, da die neue Kamera erst mal abzuzahlen war. Doch wann hat das Fotografieren am meisten Freude bereitet. Mit der guten alten Minolta X700 und dem 28-200mm Vivitar? Die Kamera? O. K.! Aber das Objektiv? Es wackelte und die Abbildungsleistung war alles andere als atemberaubend. Ich kann mich noch gut erinnern, als auf meiner ersten Reise in die Sahara ein mit Leicas ausgestattetes Fotografenpärchen meine Ausrüstung abschätzig beurteilte, den Sinn von Aufnahmen mit niederer Abbildungsqualität in Frage stellte und mir den Rat gab so schnell wie möglich auf ein hochwertigeres System umzustellen – Nikon oder besser Leica. Mit beiden Systemen habe ich bis heute nur wenig fotografiert und ich bin mehr durch Zufall, als durch bewussten Entschluss, bei anderen Marken gelandet. Die Ausrüstung wuchs von Jahr zu Jahr und war bald wegen des Gewichts ein Trainingsaspekt.

Die Bilder mit der alten analogen Ausrüstung waren gut, nicht in der Qualität, mit der man allzu große Abzüge ohne große Qualitätsabstriche machen konnte, aber wenn man ehrlich ist, dann müssen wohl die meisten zugeben, dass die meisten Bilder selten über 20x30 vergrößert werden. Auch für die Diashow war die Qualität ausreichend. Wichtig waren das Erleben während der Aufnahme, die Träume und die Geschichten, mit denen das Betrachten der Bilder mit Freunden einherging.

Diese Zeit liegt kaum 10 Jahre zurück und man ist versucht, pathetisch von „damals“ zu sprechen. Wenn man die Veränderungen in unseren Bilderwelten betrachtet, so scheint der Zeitraum viel länger. Es ist kaum zu glauben, dass diese technischen Veränderungen in der Fotografie und die damit verbundene Bilderflut in so wenigen Jahren über uns gekommen ist. Alles ist bunter, perfekter … Man hat fast das Gefühl, dass die Welt vor wenigen Jahren noch weniger bunt war. So wie Teile des ehemaligen Ostblocks, durch Kohlestaub und Mangelwirtschaft von einer grauen Patina überzogen. Der Himmel auf unseren Fotos ist heute so blau wie nie zuvor und betrachtet man die satten Grüntöne von aktuellen Naturaufnahmen, so möchte man den Waldschadensbericht für ein Ammenmärchen halten. Auch das Meer ist blauer, die Sonnenuntergänge verdienen endlich ihren Nahmen und selbst die Wüste hat endlich zu dem Gelb gefunden, welche unsere Fantasie diesen Weiten zuweist.

Immer häufiger wird das Histogramm gestaucht, wird die Gradationskurve zur bekannten S-Kurve gebogen, ein vergessener Polfilter und schon ist der Urlaub weniger farbig, der Himmel weniger blau. Ein schlechterer Urlaub? Nur dann, wenn die Qualität der Bilder der Maßstab sind. Nur dann, wenn Erlebtes, Gefühle, Gespräche, der Duft des Meeres, die Stimmen in den Gassen, die Gedanken, der Wind in den Haaren, Salz auf den Lippen, das Glas Rezina zuviel, die Schmerzen, der Hunger, das Schönfärben der Vergangenheit und das Ausmalen der Zukunft Nebensache werden.

Die Träume sind nicht mehr geworden, vielleicht auch deswegen, weil das Verarbeiten der Bilderfluten Zeit kostet und uns immer mehr das Träumen abnimmt. Bereits die Fotos sind doch traumhaft?! Warum im Geiste hinzufügen? Vorbei die Zeiten als man glaubhaft versichern konnte, dass alles in Wirklichkeit noch viel bunter gewesen sei.

Und manchmal kommen Gedanken auf: Die Kamera mal wieder zuhause lassen? Sich dem Augenblick hingeben? … Manche Bilder sollte man sich in die Seele brennen und dort wachsen lassen. Eine Kamera oder der Gedanke an eine verpasste Aufnahme stören dabei.

 

 

 

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