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Sowohl im Sucher als auch auf dem Display ist es nicht immer leicht abzuschätzen, ob die Fokussierung (Entfernungseinstellung) auf dem gewünschten Bilddetail liegt. Hierfür bieten digitale und analoge Kameras je nach Typ und Hersteller verschieden Hilfen an, z. B. Schnittbildindikator, Suchermattscheibe, Sucherlupe, Fokusfelder, Bildschirmlupe. Im Folgenden finden Sie Informationen über diese Hilfsmittel bei der manuellen Fokussierung.

Programmautomatik

Das sichtbare Licht besteht aus elektromagnetischer Strahlung im Bereich von 400 bis 700 Nanometer. Eine kürzere Wellenlänge (hohe Farbtemperatur) innerhalb dieses Bereichs sorgt für den Blauanteil, eine Wellenlänge zwischen 600 bis 700 Nanometer für den Rotanteil. Weißes Licht setzt sich aus verschieden Wellenlängen des sichtbaren Lichts zusammen.

In der Fotografie wird die Farbtemperatur (wird in Kelvin angegeben) als eine wesentliche Messgröße für die Eigenschaften von Licht genutzt. Die Farbtemperatur leitet sich von glühendem Eisen ab, das je nach Temperatur Licht mit einer spezifischen Charakteristik ausstrahlt. So enthält Licht mit einer niedrigen Farbtemperatur höhere Anteile von langwelligem Licht. Das (Standard-)Tageslicht hat eine Farbtemperatur von ca. 5500 Kelvin.

Nicht nur die Beleuchtungsquelle, sondern auch die Einflussgrößen wie Reflexionen von farbigen Flächen oder die Veränderung des Lichts durch das unterschiedliche Absorptions- und Brechungsverhalten verschiedener Materialien kann die Farbtemperatur beeinflussen (z. B. weißes oder farbiges Glas, Wasser, Luft oder sonstige transparente bzw. halbtransparente Stoffe). So kommt es vor, dass eine Beleuchtungsquelle wie die Sonne durch das veränderte Absorptionsverhalten der Atmosphäre für ständig wechselnde Beleuchtungsformen sorgt. Auch Reflexionen von farbigen Flächen können die Zusammensetzung des Lichts verändern, z. B. grüne Wiese, rote Wand, gelbe Zimmerdecke … Weitere Informationen zum Thema Licht finden Sie in der Kategorie „Das richtige Licht“.

Das menschliche Sehen passt sich an die unterschiedlichen Beleuchtungsquellen automatisch an. So kann der Mensch weiße Objekte unabhängig von der Art der Beleuchtung immer weiß sehen. Diese Fähigkeit wird als chromatische Adaption bezeichnet.

In der professionellen analogen Fotografie werden verschieden Filmtypen (Tageslicht- oder Kunstlichtfilme) und/oder Filter (Konversionsfilter) eingesetzt, um sich der unterschiedlichen Farbtemperatur in wechselnden Beleuchtungssituationen anzupassen. Digitale Kameras übernehmen diese Anpassung in der Regel automatisch. Der automatische Weißabgleich (Einstellung „AWB“ steht für „Automatic White Balance“) orientiert sich dabei an Bildbereichen, bei denen gleiche Anteile von Rot, Grün und Blau vorhanden sind. Diesen Flächen wird von der Kameraelektronik ein neutrales Grau zugewiesen. Der Weißabgleich soll sicherstellen, dass kein unerwünschter Farbstich (farbliche Abweichung) auftritt. Dies funktioniert in den meisten Lichtsituationen recht zuverlässig (auch abhängig von Kameramodell). Vor allem bei Mischlichtsituationen kann jedoch eine korrekte Anpassung schwierig werden, da lediglich eine Anpassung an die Farbtemperatur einer Beleuchtungsquelle vorgenommen werden kann. Befinden sich keine neutral grauen Flächen in der Aufnahme ist es für den automatischen Weißabgleich ebenfalls schwierig eine richtige Korrektur durchzuführen. Neben dem automatischen Weißabgleich bieten digitale Kameras daher die Möglichkeit einer manuellen Anpassung. Dabei stehen meist Voreinstellungen für typische Farbtemperaturen und Beleuchtungsquellen zur Verfügung (z. B. Tageslicht, Schatten, Bewölkt, Kunstlicht, Blitz etc.). Darüber hinaus bieten hochwertige Kameras die Möglichkeit einer manuellen Messung, z. T. gibt es auch die Möglichkeit von Weißabgleichsreihen (Weißabgleich-Bracketing). Dabei macht die Kamera mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen.

 

Bildbeispiel mit zwei unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen
Bildbeispiel mit zwei unterschiedlichen Weißabgleichseinstellungen

 

 

Tipps zum Weißabgleich

In schwierigen Beleuchtungssituationen empfiehlt sich das RAW-Format. Dieses Format wird leider nur von hochwertigeren Kameramodellen (vor allem SLR-Kameras) angeboten. Die Dateiendung von RAW-Bildern ist abhängig vom Kamerahersteller. Das RAW-Format zeichnet alle am Sensor anliegenden Informationen auf, sodass auch nachträglich im entsprechenden RAW-Konvertierungsprogramm Korrekturen des Weißabgleichs durchgeführt werden können. Auch Bildformate wie JPG oder TIFF können mit Bildbearbeitungsprogrammen korrigiert werden. Bei extremen Farbstichen kann eine nachträgliche Korrektur dieser Formate jedoch zu schlechteren Resultaten führen.

Für eine möglichst korrekte Farbdarstellung (z. B. Reproduktion von Kunstwerken, Produktfotografie) kann der Einsatz von Graukarten bzw. Farbkarten sinnvoll sein. Diese Karten werden für die jeweiligen Beleuchtungseinstellungen bei einzelnen Aufnahmen im Bild positioniert, um eine neutrale Fläche für den Weißabgleich oder eine farbliche Referenz für weitere Korrekturen in der Bildbearbeitung zu haben.


Beispiele für unterschiedliche Weißabgleicheinstellungen

Weissabgleich Für ein besseres Verständnis zur Wirkung des Weißabgleichs ist es hilfreich, Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen oder die Einstellungen in der Bildbearbeitung zu verändern und die Bildergebnisse zu vergleichen. Die folgenden Aufnahmen wurden im RAW-Format mit AWB (Automatischem Weißabgleich durch die Kamera) fotografiert. Anschliessend wurde in Adobe Lightroom der Weißabgleich zur Demonstration verändert.

Fotos am Abend - Künstliche Beleuchtung - Mischlicht

 

Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)
Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Tageslicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Tageslicht

 

 


Fotos bei Tageslicht

 

Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)
Originalaufnahme mit AWB (Automatischer Weißabgleich durch die Kamera)

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Leuchtstoffröhrenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Leuchtstoffröhrenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Wolframlampenlicht

 

 

Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Schatten
Bearbeitete Aufnahme - Einstellung Schatten

 

 

Die Autofokusbetriebsarten lassen sich in Servo und Single-Shot untergliedern.

 

Single-Shot-Funktion

Die Single-Shot-Funktion ist bei statischen Motiven erste Wahl. In Verbindung mit dem angewählten Fokusfeld kann der Fotograf sehr genau entscheiden worauf fokussiert werden soll. Die eingestellte Entfernung wird nach erfolgter Scharfstellung so lange gespeichert, wie der Auslöser halb gedrückt bleibt. Ausnahmen hierzu bieten lediglich wenige professionelle Kameras, die bei entsprechender Tastenbelegung über eine eigene Fokus-Taste verfügen. Bei diesen Kameras ist die Auslösetaste bei entsprechender Individualeinstellung nicht mit der Fokussierung verknüpft. Auch für Sportaufnahmen oder andere dynamische Ereignisse kann sich die Single-Shot-Funktion gut eignen. Beispiele hierfür sind vor allem Ereignisse die sich in einer bereits bekannten Entfernung ereignen werden (z. B. Zieleinlauf - über die Ziellinie). Der Vorteil dieses Betriebsmodus (bei einer solchen Motivsituation) liegt darin, dass die Kamera ohne lange Verzögerung auslöst.

 

Servo-Autofokus

Der Servo-Autofokus wird vor allem in der Sportfotografie eingesetzt. Hierfür ist es häufig besser mehrere Fokusfelder zu verwenden, um eine bessere Motivabdeckung mit den Fokusfeldern zu haben. So kann es durchaus schwierig werden, z. B. einem Fußballspieler mit einem einzelnen Fokusfeld zu folgen. Bei der Aktivierung mehrerer Fokusfelder "übergibt" das aktive Fokusfeld bei Bedarf an die umliegenden Fokusfelder. Dieser Betriebsmodus kann auch bei anderen Motivsituationen, die durch Dynamik geprägt sind und bei denen eine exakte Fokussierung über die Single-Shot-Funktion (z. B. wegen der fehlenden Zeit) nicht möglich ist, gute Dienste erweisen.

Hinzu kommt bei vielen SLR-Kameras eine Fokusbetriebsart bei der die Kamera zwischen den beiden genannten Funktionen wechselt, wenn die Kamera eine Bewegung des Hauptmotivs feststellt.

 

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Bei den meisten Kameras wird die Veränderung der Schärfentiefe bei Veränderung der Blende nicht im Sucher oder Display vor der Aufnahme sichtbar. Die Ursache hierfür ist, dass die meisten Kameras die Blende erst direkt bei der Aufnahme auf die eingestellte Arbeitsblende schließen. Würde die Kamera die Blende bereits vor der Aufnahme auf die eingestellte Arbeitsblende schließen, so würde sich das Sucherbild je nach eingestellter Blende stark verdunkeln. Dies könnte unter Umständen die Bildgestaltung mit Hilfe des Suchers unmöglich machen.

Einige Spiegelreflexkameras besitzen deshalb die so genannte "Abblendtaste". Mit dieser Taste kann zu reinen Kontrollzwecken auf die Arbeitsblende vor der Aufnahme abgeblendet werden. Dies dient zur Kontrolle der Schärfentiefe und erleichtert die kreative Gestaltung der Aufnahme.

Sollte eine solche Taste nicht vorhanden sein, kann eine Testaufnahme mit der entsprechenden Blendeneinstellung vorgenommen werden und diese anschließend über das Display beurteilt werden. Bei ungenügender Schärfentiefe ist eine weitere Aufnahme mit veränderter Blendeneinstellung und/oder Fokussierung nötig.

Die folgenden Aufnahmen zeigen Ihnen den Unterschied zwischen dem durch den Sucher wahrgenommenen und dem tatsächlichen Bildergebnis. Das dunkle Bild simuliert den Blick durch den Sucher bei gehaltener Abblendtaste. Achten Sie bei diesem Bild nicht auf die Bildhelligkeit, sondern versuchen Sie den Unterschied in der Schärfentiefe zu erfassen. Die Wahrnehmung der Schärfentiefe bei der Nutzung der Abblendtaste erfordert häufig etwas Übung.

Das folgende Bild zeigt Ihnen den Blick durch den Sucher bei eingestellter Blende 11

Visuelle Wahrnehmung durch den Sucher bei Blende 11


Das folgende Bild zeigt Ihnen das fertige Bildergebnis bei Blende 11

Ergebnis bei Blende 11


Das folgende Bild zeigt Ihnen den Blick durch den Sucher bei eingestellter Blende 11 und gleichzeitigem Druck auf die Abblendtaste

Arbeitsblende 11

 

Soll eine Kamera völlig selbstständig die Scharfstellung übernehmen, steht sie zunächst vor einem fast unlösbaren Problem. Sie muss erraten, welche Bildbereiche für den Fotografen wichtig sind und scharf dargestellt werden sollen. Doch bei der Analyse von Fotos lassen sich bestimmte Grundmuster entdecken. So hat man festgestellt, dass wenn Gesichter im Bild vorhanden sind, diese meist fokussiert werden sollen. Die Gesichtserkennungstechnik, die mittlerweile bis in die SLR-Kameras Einzug gehalten hat, ist eine Motiverkennungstechnik, die es der Kamera ermöglicht über bestimmte Bildstrukturen, Kontrast- und Farbverteilungen Rückschlüsse auf das vorliegende Motiv zu ziehen.

In vielen Fällen funktioniert die Grundannahme, dass wenn ein Gesicht im Bild ist dieses scharf im Foto abgebildet werden soll, sehr gut. Doch was passiert wenn das Gesicht  aus künstlerisch-gestalterischen Gründen evtl. als unscharfer Vordergrund im Bild sein soll? Spätestens dann sind die Grenzen dieser Automatik erreicht und der Fotograf sollte sich mit den verschiedensten Fokustechniken seiner Kamera vertraut machen (noch besser bereits vertraut sein).

 

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